Wozu dieser Minimalismus? Teil 2/2

Dieser Gast-Beitrag ist von der Praktikantin Katharina.

Hier erwartet Dich meine Umsetzung von Minimalismus, was ich daran gut und weniger gut finde und ob ich eine „wahre Minimalistin“ geworden bin.

Fast immer gibt es einen Kompromiss

Einen weiteren Kompromiss zum radikalen Ausmisten kann der Keller bieten:

Dort sind unsere geliebten und umsorgten Besitztümer, die wir weder für den Alltag und die aktuellen Lebensphase benötigen noch mangels Platz in der Wohnung unterbringen können (Weihnachtsdeko, Erbstücke, ect.) in Schwerlast-Regalen verstaut.

Denn was man über Jahre gesammelt hat, kann man nicht schnell mal eben wieder nachkaufen, das rüttelt kräftig an der Authentizität und Gemütlichkeit der Wohnung.

Genau wie ich es schön finde, wenn eine Wohnung langsam wächst, finde ich es ebenso sinnvoll, langsam auszusortieren.

Und es ist hilfreich, sich vorab bewusst zu entscheiden und mal zu spüren, ob Minimalismus überhaupt zu einem selbst, den eigenen Zielen und der Lebenssituation passt.

 

Tendenzen zum Extremen und Perfektionismus

Doch wenn deine Wohnung plötzlich unbewohnt, wie ein Foto aus einem Möbel-Katalog wirkt, dann spätestens weißt du, dass du es eventuell etwas übertrieben hast mit dem Minimalismus.

Gerade bei Menschen mit Tendenzen zum Extremen und Perfektionismus, sehe ich gewisse Risiken.

Bei mir selbst nur bedingt, denn mir fehlt dazu die nötige Selbstdisziplin.

Sich einer Idee so sehr zu verschreiben, dass sie radikal das eigene Leben und das der Mitmenschen beeinflusst, sollte zudem gut durchdacht sein.

Und manchmal vermisse auch ich das alte Chaos, insbesondere wenn es in seltenen Fällen mal vorkommt, dass ich abends alleine in einer frisch gefeudelten Wohnung sitze und mir denke „Und nun?“.

Der Umgang mit Zielen und Zeit

Und ich glaube, das ist womöglich die Tragik des Erreichens von Zielen:

Der angestrebte Zustand ist nie so schön wie die anfängliche Illusion.

So ist unser Flur die inoffizielle Chaos-Zone geworden. Und auch an anderen Stellen in der Wohnung sind immer noch Spuren des Alltags und meiner chaotischen Natur zu finden.

Das Leben findet meiner Meinung nach in Phasen statt, und so wird es manchmal wieder unordentlicher und dann wieder ordentlicher bei uns.

„Alles hat seine Stunde“ ist ein wunderbarer Text, der mir viel bedeutet und sich auch auf die Minimalismus Thematik anwenden lässt:

„Für jedes Geschehen […] gibt es eine bestimmte Zeit […] eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Bauen, […] eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren, […] eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum Wegwerfen, […]“.

Was ist gerade Deine Zeit?

 

Steigerung der Lebensqualität

Für uns ist die neue Ordnung tatsächlich eine Steigerung der Lebensqualität und ein Zugewinn an Freiheit und Zeit.

So kommt es bei uns zuhause nicht mehr vor, dass einem Besuch von mäßig bis innig geliebten Menschen eine stundenlange panische Aufräum- und Putzaktion vorausgeht. Endlich können andere spontan eingeladen oder mitgenommen werden.

Freunde jedoch, die seit Beginn der heimischen Minimalismus-Phase noch nicht in den Genuss gekommen sind, uns zu besuchen, relativieren die „Erfolge“, indem sie stets ein „…für eure Verhältnisse!“ an meine stolzen Berichte hängen.

Zugegeben, „wahre“ Minimalisten würden unsere Wohnung wahrscheinlich immer noch als überladen und chaotisch bezeichnen. Aber so, wie es jetzt ist, fühlen wir uns wohl.

 

Freiheit vs. Verpflichtung

Manchmal habe ich den Eindruck, dass Freiheit in vieler Menschen Köpfe bedeutet, dass man keine Bedingungen und Verpflichtungen eingeht, sich nicht endgültig entscheiden will. Nicht nur in Beziehungs-Angelegenheiten scheint das „No-Strings-Attached“-Prinzip beliebt zu sein.

Ich mache mir zwar viele Gedanken im Voraus, aber nehme mir hingegen ebenfalls die Freiheit, Entscheidungen schnell zu treffen und dann Prozess oder danach festzustellen, ob das eine gute Idee war oder weniger. Wenn man ständig nur darauf bedacht ist, keine Verpflichtungen einzugehen, determiniert man das eigene Handeln ebenfalls.

Den Wunsch jederzeit die Koffer packen und losziehen zu können kann ich daher immer noch nicht nachempfinden. Wäre das wirklich so erstrebenswert? Und wo will man hin mit dem wenigen Besitz und dieser vielen Freiheit?

Die Idee klingt erstmal attraktiv, aber in mir selbst gibt es keinen geheimen Drang, jederzeit alle Zelte abreißen zu können. Ganz im Gegenteil finde ich es ganz schön, mich zu setteln.

Und wenn ich unbedingt einen Ort verlassen möchte oder sogar muss, könnte mich kein kitschiges Mitbringsel, kein wuchtiges Erbstück und kein überflüssiger Deko-Gegenstand davon abhalten.

 

Minimalismus als Tool

So wie auch Veit, Amirali und Elli habe ich meine eigene Definition und Umsetzung von Minimalismus gefunden. Zunächst auf einer ganz praktischen Ebene – das mit der persönlichen Weiterentwicklung dauert ja immer ein bisschen.

 

Ob ich eine Minimalistin geworden bin?

Nein. Ich bin vielmehr eine Person, die offen ist für diverse Lebens-Konzepte, welche zu einem Leben führen, das mich auf Dauer zufrieden macht und mir und meinen Bedürfnissen, Defiziten, Talenten und Ansprüchen gerecht wird.

Momentan strebe ich schlicht nach mehr Einfachheit und Ehrlichkeit. Und Ordnung.

Und Minimalismus ist bloß ein Tool, um dieses Ziel eventuell zu erreichen.

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